Hey! Benji hier. Falls ihr beim Gedanken an Eiscreme sofort an Sommer, Streusel und klebrige Kinderhände denkt, hat dieser Film andere Pläne. „Ice Cream Man“ serviert seine kalten Leckereien mit schwarzem Humor, grotesken Einfällen und einer ordentlichen Portion Horror. Die Horrorkomödie ist neu auf Blu-ray erschienen und gehört zu den Filmen, bei denen selbst der Nachtisch nervös in der Schüssel zittert.
Wichtig ist zunächst eine kleine Titelkontrolle: Vor wenigen Wochen kam ebenfalls ein Film namens „Ice Cream Man“ in die Kinos, diesmal von „Hostel“-Regisseur Eli Roth. Die hier gemeinte Produktion ist jedoch eine ältere Horrorgroteske, die bereits seit mehr als drei Jahrzehnten existiert und sich eine feste Fangemeinde aufgebaut hat. Zwei Filme, ein Titel – und vermutlich kein Eisverkäufer, dem ich freiwillig meine Adresse geben würde.
Im Mittelpunkt steht Gregory Tudor, gespielt von Clint Howard. Als Kind musste Gregory mit ansehen, wie Butch „The Ice Cream King“ Brickle ermordet wurde. Das Erlebnis führte dazu, dass er in das Wishing Well Sanatorium eingewiesen wurde. Später kommt Gregory wieder frei und übernimmt die alte Eiscremefabrik des Getöteten.
Damit beginnt allerdings kein friedlicher Neustart mit Vanille, Schoko und einem kleinen Verkaufswagen. Gregory arbeitet nun selbst als Eismann in einem kalifornischen Vorort – und bringt den Kindern nicht nur Süßigkeiten. Seine Vergangenheit hat ihn nicht geheilt, sondern in einen mörderischen Nachfolger seines Vorgängers verwandelt. Clint Howard darf diese Schurkenrolle besonders ausgiebig ausspielen: manisch, überdreht und mit einer deutlichen Vorliebe für die dunkle Seite des Kühlfachs.
Der Film setzt dabei auf eine auffällige Mischung aus grellen Farben, absurden Ideen und bewusst albernem Horror. Das Drehbuch stammt von Sven Davison und David Dobkin. Die beiden Autoren lassen ihre Figuren mit pseudo-coolen Sprüchen, kindischen Beleidigungen und frostigen Wortspielen aufeinander los. Inhaltlich bleibt das Ganze also ungefähr dort, wo ein schlechter Kalauer in einer Eistüte auf eine Kakerlake trifft. Ich sage nicht, dass das appetitlich klingt. Ich sage nur: Der Film weiß sehr genau, welche Art von Appetit er verderben möchte.
Zu den Ekeleffekten gehören unter anderem Mäusekot und Kakerlaken im angetauten Eis. Spätestens bei Kunstblut und abgetrennten Köpfen in Eistüten verlässt die Produktion dann endgültig den Bereich des harmlosen Kindergrusels. Die Nähe zu der „Gänsehaut“-Fernsehserie der 1990er-Jahre wird zwar beschrieben, doch die blutigen Einfälle richten „Ice Cream Man“ klar an ein erwachsenes Publikum.
Für die Regie zeichnete Paul Norman verantwortlich, der das Projekt unter dem Namen Norman Apstein inszenierte. Norman arbeitete sonst als Erotikregisseur und wurde 1991 durch die Johnny-Depp-Pornoparodie „Edward mit den Penishänden“ bekannt. Ja, dieser Satz klingt, als hätte jemand beim Aufräumen eines Filmlexikons drei völlig verschiedene Schubladen gleichzeitig geöffnet. Belegt ist aber: Genau diese ungewöhnliche Vorgeschichte gehört zur Entstehung des Films.
Die Neuauflage ist nun auf Blu-ray erhältlich. Wer bereits eine Ausgabe aus dem Jahr 2025 besitzt, kann laut den vorliegenden Angaben auch bei dieser Edition bleiben. Für alle anderen bietet sich damit eine neue Gelegenheit, Clint Howard als Gregory Tudor beim Verteilen seiner besonders unfreundlichen Spezialitäten zu erleben.
Einen zweiten Teil sollte es ebenfalls geben. Clint Howard äußerte mehrfach den Wunsch, in die Rolle zurückzukehren. 2014 unterstützte er eine Crowdfunding-Kampagne für „Ice Cream Man 2: Sundae Bloody Sundae“. Das Vorhaben scheiterte jedoch. Anschließend wurde angekündigt, die Fortsetzung auf anderem Weg zu finanzieren. Seitdem gibt es dazu keine weiteren Entwicklungen in den vorliegenden Informationen. Das war also offenbar die erste Testphase – nur das Ergebnis war überraschend still.
Wer Horror gern grotesk, albern und mit deutlich sichtbarer Freude am schlechten Geschmack mag, findet in dieser Blu-ray-Ausgabe einen ungewöhnlichen Genre-Vertreter. Ich bleibe trotzdem bei der klassischen Eissorte. Die hat bisher noch keinen Kopf in einer Waffel angekündigt – und genau so soll das bitte bleiben.
🎬 Film & Kino
„Ice Cream Man“ kehrt auf Blu-ray zurück – mit Clint Howard als Eismann des Grauens
Zwei Horrorfilme tragen denselben Titel, doch nur einer davon hat sich seit über 30 Jahren eine Kultgemeinde aufgebaut. Die bizarre Horrorkomödie „Ice Cream Man“ ist jetzt erneut auf Blu-ray erschienen – inklusive Clint Howard, Kunstblut und sehr fragwürdigen Zutaten fürs Gefrierfach.
